Pomperipossa

Bis 1976 hat Astrid ihr Privatleben so weit wie möglich geschützt. Es hat ihr kein bisschen gefallen, wie die Öffentlichkeit den Spuren der Berühmtheit folgte.
Ihrer småländischen Erziehung treu hat sie ein sparsames und einfaches Alltagsleben geführt, in dem sie mehrere Tage hintereinander den Reisauflauf aufwärmt, keine Brotkante verkommen lässt und die Fischreste und Kartoffeln von gestern in verwandelter Form auftischt.


Astrid Lindgrens Bücher, Filme und Fernsehserien sind in den siebziger Jahren eine wichtige schwedische Exportware, die ihrer Urheberin einen guten Verdienst einbringt. Aber Astrid interessiert sich weder für Geld noch für Investitionen. Im Lauf der Jahre hat sie große Summen an BRIS und ähnliche Organisationen verschenkt, auch an einzelne Personen.
Neujahr 1972 schreibt sie in ihr Tagebuch:
"Was habe ich nur für eine gottserbärmliche Menge Geld verdient, schlimmer denn je ... Das macht mir Angst. Ich will kein Geld haben. Ein Glück, dass Finanzminister Sträng es haben will." (*)
Astrid Lindgren hat sich nie über die Steuern beklagt wie so viele andere Großverdiener. Im Gegenteil. "Ich bezahle meine Steuern voller Freude", hat sie mehrfach erklärt.


Aber 1976 übertraf die Wirklichkeit das Märchen - es stellte sich heraus, dass der neue Spitzensteuersatz für selbständige Unternehmer - wozu Künstler und Autoren zählen - zur Folge hatte, dass man tatsächlich mehr Steuern bezahlen sollte, als man verdiente. Für Astrid war das Maß voll. Aber wie sollte sie am besten auf diese absurde Situation hinweisen? In Form des Märchens, wie sonst.

Das Märchen "Pomperipossa in Monismanien" sorgte für Schlagzeilen und erschütterte Schweden und die sozialdemokratische Regierung. In der ersten Runde entschied sich die Regierung für den Angriff --der Finanzminister wies Astrid Lindgren mit höhnischen Worten zurück. Das war, wie sich zeigen würde, ein schicksalsschwerer Fehler. Erst später gestand man ein, dass Astrid Lindgren auf einen Irrtum hingewiesen hatte, den man berichtigen musste. Aber die Glaubwürdigkeit war für die Sozialdemokratin Astrid Lindgren verloren, und der Streit tobte weiter. Jetzt zwischen ihr und der Sozialdemokratie - und die Wahl zum Reichstag nahte. In der Presse wurde Astrid gleichzeitig als mutige Verkünderin der Wahrheit und als Hexe, die ihr Gold bewachte, beschrieben.

Zitat (*) aus: "Astrid Lindgren - Ein Lebensbild"von Margareta Strömstedt

Vollständiger Text von 'Pomperipossa in Monismanien'

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