Pomperipossa in Monismanien.
Ein Märchen (1976)

Jetzt will ich euch ein Märchen erzählen. Es handelt von einer Frau, nennen wir sie Pomperipossa, denn so pflegt man in Märchen ja zu heißen. Sie wohnt in einem Land, das wir Monismanien nennen wollen, denn einen Namen muss es schließlich haben. Pomperipossa liebte ihr Land, seine Wälder, seine Berge und Seen und seine grünen Wiesen, aber nicht allein dies alles, sondern auch die Menschen. Und sogar die weisen Männer, die dem Land vorstanden, liebte sie. Oh, sie fand sie so weise und deshalb stimmte sie auch getreulich für sie, wann immer weise Männer gewählt werden sollten, in Monismanien zu regieren. Die weisen Männer, die dort schon seit über vierzig Jahren schalteten und walteten, hatten einen so guten Staat geschaffen, fand sie, denn niemand brauchte arm zu sein, alle sollten ihr Stück von dem Wohlstandskuchen abbekommen, und Pomperipossa war glücklich darüber, dass auch sie zum Backen dieses Kuchens ihr Teil hatte beitragen können. Nun gab es in Monismanien etwas, das Marginalsteuer hieß, und das besagte, dass je mehr Geld man verdiente, desto mehr davon hatte man dem Reichsschatzmeister abzuliefern, damit der Wohlstandskuchen gebacken werden konnte. Mehr als 80 bis 83 % wollte er aber von keinem haben, nein, er war ja nicht unvernünftig. »Liebe Pomperipossa«, sagte er, »so an die 17 bis 20 % darfst du für dich behalten und kannst damit tun, was du willst.« Und Pomperipossa war von Herzen zufrieden damit und lebte froh und puppenlustig. Dennoch gab es im Lande viele unzufriedene Menschen, die an ihre Schilde schlugen und über »die drückende Steuerlast «, wie sie es nannten, murrten. Das tat Pomperipossa niemals, kein Mensch in Monismanien hatte von ihr je auch nur das leiseste Murren über ihren Beitrag zum Wohlstandskuchen vernommen. Im Gegenteil, sie fand das alles rundherum gut und gerecht und dachte bei sich, ganz gewiss gebe ich diesen weisen Männern meine Stimme, damit sie auch fortan die Geschicke unseres geliebten Monismanien lenken.
Diese Pomperipossa schrieb Kinderbücher. Sie tat es aus purer Vergnügungssucht, nur um in ihrem Erdenleben ein wenig Spaß zu haben. Und eines Tages dachte sie: Wer weiß, vielleicht sind Kinder fast ebenso kindisch wie ich, vielleicht wollen auch sie meine schnurrigen Einfälle lesen? Es zeigte sich, dass sie es wollten. Und nicht nur die Kinder in Monismanien, sondern auch die in fernen Ländern, sowohl im Osten als auch im Westen, wollten es. Man sollte es nicht für möglich halten, aber da saßen doch tatsächlich in allen Ecken und Winkeln der Welt einfältige Kinderchen und lasen und lasen und konnten nicht genug bekommen! Dadurch aber bereiteten sie Pomperipossa großes Ungemach, jawohl, denn je mehr sie lasen, desto mehr Geld regnete auf die arme Pomperipossa herab. Die »arme«, warum denn das? Wartet’s nur ab! Eines schönen Tages waren die weisen Männer, die in Monismanien das Sagen hatten, auf einem Schloss versammelt, das wir Haga nennen wollen, weil es nämlich so hieß, und dort fassten sie, vermutlich während einer Kaffeepause, als ihnen zum gründlichen Nachrechnen keine Zeit blieb, einen bemerkenswerten Beschluss, der nicht nur für Pomperipossa, sondern auch für viele andere Menschen in Monismanien das Leben über Gebühr vertrackt machte. Doch davon wusste Pomperipossa zunächst nichts. Sie hörte erst davon, als eine gute Freundin sie eines Tages fragte:
»Weißt du eigentlich schon, dass deine Marginalsteuer in diesem Jahr
102 % beträgt?«
»Unsinn«, sagte Pomperipossa, »so viele Prozente gibt’s ja gar nicht!«
Denn die höhere Mathematik war nicht gerade ihre Stärke. Doch, doch, kriegte sie daraufhin zu hören, in Monismanien gebe es wer weiß wie viele Prozente und lege man die Einkommenssteuer und die Sozialabgaben, die Pomperipossa zu entrichten habe, weil sie ja freier Unternehmer sei, zusammen, dann mache das 102% aus, da könne Pomperipossa sagen, was sie wolle! Arme Pomperipossa, da schrieb und kritzelte sie nun so fleißig und wusste nicht mal, dass sie ein freier Unternehmer war. Nun hätte sie ja eigentlich stolz sein müssen – ha, ich bin ein freier Unternehmer, wer hätte das gedacht! Aber nachdem sie ein Weilchen gerechnet hatte, ging ihr langsam, aber unerbittlich auf, dass es die wahre Pest war, in Monismanien freier Unternehmer zu sein. So dachte sie und so rechnete sie:
Diese schrecklichen Kinderchen, die in allen Ecken und Winkeln der Welt sitzen und für mich Geld zusammenlesen, wieviel mag ihre unselige Lesegier mir dieses Jahr einbringen? Im günstigsten Fall vielleicht nur eine Million. Schlimmstenfalls zwei Millionen. (Da nämlich das Geld von überall her angerollt kam, wusste sie nie im Voraus, wie viel es sein würde. Dicke Schecks konnten schonungslos auf sie runterhageln, wenn sie es am wenigsten ahnte.) Rechnen wir mit dem Schlimmsten, dachte Pomperipossa. Mit zwei Millionen! Dann ergibt das folgende Steuern:

Von den 150000 Kronen, die die Kinder dir zusammenlesen, darfst du angeblich 42 000 behalten.
Der Rest von diesen 150 000 – 108000 geht an den Wohlstandskuchen
108 000
100% von dem, was darüber hinaus vorhanden ist, macht 1 850 000 Dazu die 2 %, von denen du in deiner Einfalt glaubtest, es gebe sie nicht, macht 37 000 Summa 1 995 000
Übrig für Pomperipossa 5 000

Als sie so weit gekommen war, sagte sie sich: »Mein Altchen, rechnen hast du nie gekonnt! Es gibt ja Dezimalstellen und all so was, bestimmt hast du dich verrechnet, ganz gewiss müssen dir 50 000 bleiben.« Also fing sie wieder von vorn an, aber das Ergebnis änderte sich nicht – verdiente sie zwei Millionen, durfte sie 5000 Kronen behalten! Um davon zu leben!
Pomperipossa war tief bekümmert, das lässt sich nicht leugnen, und sie sagte sich: »Nicht dass du gerade eine starke Esserin bist, aber trotzdem! 5000 Kronen – wenn der Salzhering, einst das Armeleuteessen, so himmelschreiend teuer geworden ist und alle anderen Preise dementsprechend.« Jetzt bekam sie es wirklich mit der Angst und laut jammernd lief sie zu Freunden und Bekannten um ihnen ihr Dilemma kund zu tun. Aber sie glaubten ihr einfach nicht. 5000 Kronen, mach keine Witze! Nachdem es ihr endlich gelungen war sie zu überzeugen, sagten sie nur hilflos: »Aber du kannst ja doch eine Menge absetzen?« Was denn absetzen, wunderte sich Pomperipossa. Was ich absetze, ist doch Geld, das ich schon ausgegeben habe. Was ich absetze, kann ich doch nicht mehr aufessen wie einen Salzhering.
Ohne Trost gefunden zu haben, ging Pomperipossa heim und setzte sich in eine dunkle Ecke, um zu grübeln und nachzudenken. Woher krieg ich nur mein täglich Brot, dachte sie. Vielleicht kann ich ja wie die Armenhäusler von Anno dazumal herumwandern und mir mal hier und mal da eine Mahlzeit zusammenschnorren. Vielleicht kann ich ja auch die weisen Männer aufsuchen und an ihre Tür klopfen, womöglich erbarmen sie sich meiner und geben mir mal ab und zu einen Teller Suppe, und spendieren sie dafür ein paar von diesen 1 995000 Kronen, dann kann die Suppe sogar recht kräftig werden, am Ende legen sie reineweg ein Würstchen hinein?
Doch nicht einmal der Gedanke an das Würstchen tröstete sie. Immer düsteren Sinnes wurde Pomperipossa. Jetzt ging ihr auf, dass Bücherschreiben etwas Abscheuliches und Schändliches sein musste, sonst würde man es ja nicht so hart bestrafen. Wie ist es denn damit in anderen Ländern bestellt, fragte sie sich. Ja, ein wenig wusste sie darüber, weil sie gerade einen netten, kleinen Russen, der Schriftsteller war, getroffen hatte. Seine Bücher verkauften sich über die Maßen gut und er bezahlte 13 % an Steuern. (Als Pomperipossa ihm von ihren 102% erzählte, fiel er vom Stuhl. Sobald er sich wieder aufgerappelt hatte, fuhr er schnurstracks heim um diese unerhörte Nachricht in seinem Land zu verkünden.) Pomperipossa hatte auch gehört, auf Irland sei man so besorgt um das Wohl und Wehe der dortigen Schriftsteller, dass man es einfach nicht über sich brachte, ihnen überhaupt irgendwelche Steuern abzuknöpfen. Aber das muss ja wohl geflaust sein, dachte Pomperipossa. Vielerlei ging ihr durch den Kopf, während sie dort in ihrer Ecke saß. Es gab außer ihr ja andere freie Unternehmer. So gab es in Monismanien beispielsweise Ärzte und Zahnärzte und Rechtsanwälte und sie alle hatten sich wohl flugs ausgerechnet, dass sie um so weniger verdienten, je mehr sie arbeiteten, und hatten sich deshalb entschlossen, schlankweg auf alle Gallensteine und schmerzenden Weisheitszähne, alle Ehescheidungen und Grundstücksgeschäfte der Monismanier zu pfeifen, zumindest ein, zwei, drei, vier, fünf Tage lang in der Woche. Und das erklärte ja auch, warum die Monismanier jetzt so viel übler daran waren als früher, wenn sie Bauchgrimmen oder Zahnweh bekamen oder einen Anwalt brauchten, der sie beim Kauf eines alten, bis über den Schornstein verschuldeten Hauses beriet. Denn, so hatte Pomperipossa gehört, Schulden seien der beste Kniff, um die Prozente von 102 bis auf fast Null herunter zu drücken.
Als Pomperipossa in ihren Überlegungen so weit gekommen war, seufzte sie. Wieso hatte sie selber gar keine Schulden? Ach, meine teuren Eltern, warum habt ihr mich gelehrt, Schulden seien etwas Verwerfliches, etwas, das man nicht haben darf? Schaut euch an, wie es mir jetzt ergeht! Hier sitze ich nun völlig schulden- und schuldlos und habe nichts weiter als diese verflixten Einkünfte, die mich arm wie eine Kirchenmaus machen!
Immer weiter grübelte Pomperipossa in ihrer Ecke. Sie dachte an Joseph in Ägypten, der so gut begriffen hatte, dass man in den fetten Jahren für die kommenden mageren Jahre vorsorgen muß. So klug war Pomperipossa wahrhaftig auch gewesen. Sie hatte Rentenversicherungen abgeschlossen, ziemlich hohe sogar. Es ist ja nur recht und billig, hatte sie gedacht, dass ich für mein Alter vorsorge. Wenn mir die Feder mal aus der zitternden Hand fällt und ich nicht länger schreiben kann, dann möchte ich ja nicht der Allgemeinheit zur Last fallen. Durch diese Rentenversicherungen aber habe ich mein täglich Brot, selbst wenn ich den Betrag, der mir dann ausgezahlt wird, natürlich versteuern muss. Aber das hat ja noch gute Weile! Denn die weisen Männer, die Monismanien vorstanden, hatten vernünftigerweise bestimmt, daß die Prämien für derartige Versicherungen absetzbar sind. Steuern seien erst fällig, wenn die Rente ausgezahlt werde. Und es gab viele, die sich versicherten. Beispielsweise Künstler in der Unterhaltungsbranche, die wussten, dass ihre Popularität recht kurzlebig sein konnte: Heute rot, morgen tot, dachten sie, jetzt heißt es eine Rentenversicherung abschließen, solange das Geschäft noch blüht, denn wenn die Leute meine Jubeltöne von des Lebens Lust und Leid nicht mehr hören mögen, winkt mir am Ende der Bettelstab.

Lange hielten die weisen Männer in Monismanien diese Regelung, wie gesagt, für klug und vernünftig. Allmählich aber kamen sie auf andere Gedanken und plötzlich erhob der Großkopferte seine Stimme und behauptete, die Haare sträubten sich ihm, wenn er sehe, welche Abschreibungen die Leute für ihre Altersversicherungen machten, pfui, pfui, Rentenversicherungen seien abscheulich und schändlich! Wieso denn das nun, dachte Pomperipossa, warum bloß sträuben sich ihm die Haare so enorm? Wie kann etwas, das die weisen Männer selber beschlossen haben und das bisher als klug und vernünftig galt, plötzlich mit Steuerhinterziehung verglichen werden? Denn ungefähr so wurde es im Leib- und Magenblatt der weisen Männer dargestellt. Dort erschienen lange Listen darüber, wie viel die Leute verdienten und wie ungeheuer viel sie absetzten. Aber natürlich war der Platz in der Zeitung begrenzt und darum war nie eine Spalte frei um bekannt zu geben, wie viel Steuern die Leute zahlten, von 102 % oder derartigem war da nirgends die Rede. Nein, aber alle Abschreibungen wurden genauestens aufgeführt. Da sieht man’s mal wieder, dachten die empörten Leser, diese reichen Knilche, was für Spesen die für ihren Sekt und Kaviar und ihr ganzes Lotterleben machen dürfen!
Schließlich war die so genannte öffentliche Meinung so gut vorbereitet, dass es, als die weisen Männer ihren Gesetzentwurf im Beratungshaus einbrachten, keine einzige Partei wagte, den Kampf aufzunehmen und das Abschreibungsrecht für Rentenversicherungen zu verteidigen. Nein, die öffentliche Meinung wagte niemand zu verärgern, es sollte ja bald wieder eine Wahl stattfinden! Und so erließ man ein Gesetz mit rückwirkender Kraft, was, soweit Pomperipossa wusste, in der Geschichte Monismaniens einmalig war. Mit anderen Worten, Versicherungsabschlüsse, die Pomperipossa vor über zehn Jahren rechtmäßig getätigt hatte, wurden mit ein paar Federstrichen zunichte gemacht, und sie sah sich gezwungen, zu ihrer Versicherungsgesellschaft zu gehen und zu gestehen: Ich kann meinen Vertrag leider nicht einhalten, weil ich nicht bezahlen kann! Zu der Zeit aber war man in der Versicherungsgesellschaft so geschockt und am Boden zerstört und rundheraus gesagt stinkwütend darüber, dass die weisen Männer diesen Beschluss gefasst hatten, ohne sich bei den Sachverständigen vorher genau zu erkundigen, welche Folgen er haben würde, dass man Pomperipossa nur mit blutunterlaufenen Augen anstarrte und sie bat, zu verschwinden, ehe das ganze Haus zusammenbreche.
Und an noch mehr dachte Pomperipossa in ihrer dunklen Ecke. In der guten alten Zeit, als die Marginalsteuer höchstens 83% betragen hatte, da hatte es auch etwas gegeben, das »fortlaufende Unterstützung« hieß. Das bedeutet: Wenn man – genau wie Pomperipossa in der guten alten Zeit – über des Lebens Notdurft hinaus noch etwas Geld übrig und zudem weniger gut gestellte Angehörige oder Freunde hatte, dann konnte man ihnen eine fortlaufende Unterstützung zukommen lassen. Derartige Unterstützungen durfte man dann in seiner Steuererklärung absetzen und allein deshalb war es möglich, sie zu gewähren. Der Wohlstandskuchen bekam ja ohnehin sein angemessenes Teil davon ab, da der Unterstützungsempfänger den Betrag, den er erhielt, zu versteuern hatte. Aber eines schönen Tages begannen sich die Haare der weisen Männer aufs Neue zu sträuben. Vielleicht war ihnen etwas von einem monismanischen Sohn mit einigermaßen zufriedenstellenden Einkünften zu Ohren gekommen, der seiner armen alten Mutter 25000 Kronen jährlich Unterhalt zahlte, damit sie annähernd so leben konnte wie er selber, pfui, pfui, das sei abscheulich und schändlich, fanden die weisen Männer. Dem werden wir sofort einen Riegel vorschieben! Und das taten sie.

Was ist bloß in sie gefahren, dachte Pomperipossa in ihrer dunklen Ecke. Sind dies wirklich die weisen Männer, die ich so hoch geschätzt und bewundert habe? Was wollen sie damit denn erreichen, was erstreben sie – einen Staat, so verpfuscht und unmöglich wie nur möglich? O du reine, blühende Sozialdemokratie meiner Jugend, was haben sie aus dir gemacht, dachte sie (denn jetzt wurde sie ein wenig pathetisch), wie lange noch soll dein reiner Name dazu missbraucht werden, einen eigenmächtigen, bürokratischen, ungerechten, bevormundenden Staat zu schützen? Sie hatte geglaubt, in einem demokratischen Land solle das Recht aller gewahrt werden. Die Menschen sollten nicht bestraft und verfolgt werden, nur weil sie auf ehrliche Weise – gewollt oder ungewollt – zufällig Geld verdienten. Aber, soweit Pomperipossa es überschauen konnte, geschah jetzt genau das. Ihr, der die nackte Armut unverhohlen ins Gesicht grinste, fiel es schwer, es anders zu sehen. Was ist das bloß, so dachte sie, für ein seltsamer, säuerlicher, Neid geschwängerter Mief, der sich auf ganz Monismanien gelegt hat, und warum sagt niemand laut und deutlich seine Meinung: So kann es nicht weitergehen, denn dann ist es aus mit aller Unternehmungslust in unserem Lande und dann sind bald keine freien Unternehmer mehr da, die man besteuern kann.
Und Pomperipossa kramte einen kleinen Spruch hervor, den einer der vornehmsten Dichter Monismaniens kürzlich geschrieben hatte, und las ihn aufs Neue:

Werte schaffen erlaubt dir der Staat mitnichten,
nach des Amtsschimmels Launen sollst du dich richten.
Hilf Castro, den Krieg in Angola zu führen,
oder geh ins Spittel, dort lass dich kurieren.

Zu diesem Zeitpunkt überkam Pomperipossa das Gefühl, sie habe es selber dringend nötig, kuriert zu werden, und zwar auf der Stelle. So schwer und schmerzhaft war es nämlich, an dem Staat zweifeln zu müssen, den sie bisher für den besten in der Welt gehalten hatte.
Mehr und mehr verdichteten sich die Schatten um sie und wieder dachte sie an die 5000 Kronen, die ihr zum Leben blieben, falls sie nun tatsächlich zwei Millionen verdient haben sollte. Ich Ärmste, dachte sie, warum bin ich nicht eine Rentnerin ohne auch nur die Spur von anderen Einkünften, wie reich wäre ich dann nicht im Vergleich zu jetzt! Doch da durchzuckte es sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel – Menschenskind, du musst ja Wohlfahrtsunterstützung kriegen können! Oh, dieser wunderbare Gedanke! Mit neu erwachter Hoffnung setzte sie sich hin und schrieb an den Reichsschatzmeister, um anzufragen, wie viel sie zu erwarten habe. Na also, sagte sie sich dann, ich wusste doch, dass es eine Lösung gibt, wenn ich nur richtig nachdenke! Denn es ist doch wohl trotz allem der beste Staat der Welt? Oder...? Oder etwa nicht? Diese Frage muss ich wohl offen lassen, dachte sie dann. Und von nun an lebte die Wohlfahrtsempfängerin Pomperipossa glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Irgendwelche Bücher schrieb sie nie wieder.

P. S. Während der Drucklegung der Zeitung traf bei Pomperipossa eine genauere Aufstellung aus dem Rechenamt der weisen Männer ein, welche besagte, dass sie mitnichten 5000 Kronen erhalte, um sie in Saus und Braus zu verprassen. Nein, hieß es da, wenn du zwei Millionen verdienst, dann kriegen wir, halleluja: Kronen 2 002 000! Da beschloss Pomperipossa, auf die Straßen und Plätze hinaus zu gehen und Geld zusammen zu betteln um sich eine, wenn auch noch so kleine, Brechstange zu kaufen. Zittert, ihr weisen Männer, dachte sie, und verstärkt die nächtliche Bewachung eurer Geldkästen! 5 000 will ich jedenfalls haben – könnt ihr völlig hemmungslos stehlen, dann kann ich es auch!


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