Vimmerby ist eine der ältesten Städte Schwedens.

Schon vor Christi Geburt befand sich ein dichtbevölkertes Dorf genau an dem Platz, an dem heute der Ortskern von Vimmerby liegt. Das belegen archäologische Funde. Vimmerby ist seit dem Mittelalter ein Knotenpunkt und wichtiger Handelsplatz für den Viehhandel gewesen.

Weil die kleine Stadt auf einem Hügel lag, konnte man das ganze Stångå-Tal gut überblicken.

 

 

Außerdem liefen hier alle wichtigen Wege des Reiches zusammen.

Die Storgatan war und ist das Herzstück der kleinen Stadt. 1902, nach dem Besuch des Königs Oskar II, als er die neue Eisenbahnlinie Vimmerby - Hultsfred nach Linköping einweihte, wurde sie für einige Jahre in “Oskars II gatan” umbenannt.

 

  

 

 

Aber, wie sah es aus in Vimmerby, als Astrid Lindgren ein Kind war?

1907, zu der Zeit, als Astrid geboren wurde, war Vimmerby ein kleines beschauliches Städtchen mit etwa 2000 Einwohnern. Der Hof Näs lag in nördlicher Richtung etwas außerhalb der kleinen Stadt. Er war umgeben von Wiesen und Wäldern. 

Gleich nebenan lag der Pfarrhof (Prästgården). Heute ist hier das Astrid Lindgren Kulturzentrum und Astrid Lindgren Museum (Näs) untergebracht.

 

 

Und vor dem Haus steht auch noch immer die große Ulme, sicher das Vorbild für den Limonadenbaum im Garten von Pippi Langstrumpf.

Zu Näs gehörten damals sehr viel mehr Gebäude als heute noch vorhanden sind. Es gab außer dem Wohnhaus noch den Schweinestall, in dem auch der Hühnerstall untergebracht war. Gegenüber vom Wohnhaus lagen das Vorratshaus und der Tischlerschuppen.

Außerdem befanden sich noch ein Waschhaus und das Häuschen des Kuhknechts (dieses Haus existiert nicht mehr) auf dem Grundstück. Hier hat Edit die Geschichte vom Riesen Bam Bam und der Fee Viribunda vorgelesen. Das große gelbe Haus wurde erst später gebaut, als Astrid 13 Jahre alt war.

Auf der anderen Straßenseite der Prästgårdsallee lag die riesige Scheune, in der das Vieh, der Wagenschuppen und die Gerätekammer untergebracht waren. Astrids Vater hat immer wieder ein Stück angebaut, wenn Platz gebraucht wurde. So war die Scheune am Ende 106 Meter lang und damals sicher die längste Scheune von ganz Småland.

Später kaufte die Stadt Vimmerby das Grundstück auf, und am 1. April 1971 wurde das Gebäude von der Freiwilligen Feuerwehr niedergebrannt, um Platz für neue Wohnungen zu schaffen.

 

Astrids Schulweg

Astrids Schulweg führte durch die Prästgårdsallee (heute Prästgårdsgatan). Die Wege waren noch nicht befestigt, Wiesen und Äcker waren mit den typischen Småländischen Holzzäunen und Gattern oder Felssteinen abgegrenzt.

Auf halben Wege lag “Tuvelycka”, das große weiße Haus, das von allen nur “Die Villa” genannt wurde. Hier wohnte Astrids beste Freundin Anne-Marie Ingeström (später Fries).

 

 

Wenn man sich die alte Postkarte anschaut, kann man sich vorstellen, dass Astrid und Anne-Marie ganz wie die “Bullerbü-Kinder” auf dem Zaun balancierend zur Schule gegangen sind.

Ihre ersten Schuljahre verbrachte Astrid Lindgren in der kleinen Grundschule in der Sevedegatan. Das Schulgebäude lag genau gegenüber der kleinen Kirche.

 

    

 

Vielleicht konnte Astrid vom Schulzimmer aus sogar auf die Bank schauen, wo Samuel August seiner Hanna ewige Liebe geschworen hatte.

 

 

 

 

 

 Auf dieser alten Postkarte kann man rechts die Grundschule sehen.

 

Etwa zehn Minuten von Näs entfernt, in der Drottninggatan, befand sich die weiterführende Schule “Statens Samskolan”.

 

 

 

Hier machte Astrid 1923 ihr Realexamen. Heute ist hier das Gymnasium.

 

Ein ganz besonderes Haus

In der Drottninggatan Ecke Norrtullgatan befand sich außerdem ein ganz besonderes Haus.

 

 

Hier war die Konditorei von Anne-Maries Tanten Lovisa und Matilda. Sie verkauften selbst gemachte Bonbons, und sicher waren Astrid und Anne-Marie hier oft und gern zu Besuch. In der oberen Etage wohnte Astrids Lehrerin. Die Kinder besuchten auch sie oft und kletterten dann durch das Fenster um auf dem Vordach zu sitzen.

Heute steht das Haus leider nicht mehr.

 

Markt in Vimmerby

An jedem letzten Mittwoch im Monat wurde in Vimmerby Viehmarkt abgehalten. Der Markt fand auf der großen Viehkoppel, direkt neben “Tuvelycka” an der Prästgårdsallee, statt.

“….Dort drängten sich Bauern und Viehhändler und Rosstäuscher zusammen mit Ochsen, Kühen und Pferden, dort wurde getauscht und gehandelt und gefeilscht, und die Pferde ließ man zur Probe die Pfarrhofsallee entlang bis zu unserem Kuhstall, dem Wendepunkt, traben, dass der Staub nur so wirbelte….”  Quelle: Astrid Lindgren, das entschwundene Land

Zwei mal im Jahr, im Mai und Oktober war dort besonders viel los, und der Viehmarkt glich einem großen Rummelfest. Schausteller kamen mit Karussell und allerlei wundersamen Dingen, wie z.B. einer Riesenschlange oder einer Dame mit Vollbart.

 

 

Die ganze Stadt war in diesen Spektakel eingebunden, auf dem Marktplatz wurden Bonbons und Zuckerzeug verkauft, und die Straßen waren voller Menschen.

 

 

Sicher ein wichtiges Fest für die Ericsson-Kinder.

 

Der Sturz aus dem Dachfenster

Links vom Rathaus, auf dem großen Marktplatz lag die alte Apotheke.

 

 

In der kleinen Dachstube des Hauses hatte eine von Astrids Freundinnen ihr Zimmer. Damit man im Brandfall aus dem Giebelfenster entkommen konnte, war ein Brandseil angebracht.

Eines Tages beschlossen Astrid und einige Freundinnen, das Seil einmal auszuprobieren, und es war natürlich Astrid, die aus dem Dachfenster gehoben wurde. Als sie dann in Höhe des zweiten Stock hing, konnten die Mädchen das Seil nicht mehr halten und Astrid fiel auf die Straße und schlug sich die Knie auf.

Gott sei Dank war unten im Haus die Apotheke und so fand sie gleich Hilfe.

Als Samuel August davon erfuhr, sagte er: ”Wie gut, dass du aus einer Apotheke gefallen bist! Da gab es wohl genug Verbandszeug.” Quelle: Felizitas von Schönborn Astrid Lindgren - Das Paradies der Kinder

In dem Haus ist heute ein Trödel- und Antikgeschäft, aber im Hausflur kann man  noch immer die Durchreiche für den Nachtschalter der Apotheke sehen.